Immobilienverband IVD West

Konsolidierung auf dem saarländischen Immobilienmarkt, Mieten steigen um 7 Prozent

(Saarbrücken, 23.06.2017) Die Wohnungsmieten sind im Landesdurchschnitt in den vergangenen zwölf Monaten um knapp sieben Prozent gestiegen. Nach den deutlicheren Steigerungen im Vorjahr ist eine Konsolidierungstendenz erkennbar. Die Verkaufspreise für Einfamilienhäuser nahmen im Durchschnitt eine stabile Entwicklung. Eigentumswohnungen verteuerten sich im Landesschnitt um sieben Prozent. Die Landeshauptstadt sowie Saarlouis, Homburg und St. Ingbert bleiben die gefragtesten Immobilienmärkte im Saarland.

Dies geht aus dem neuen Immobilienpreisspiegel Saarland 2017 hervor, den der Immobilienverband IVD West herausgab und in dem 14 Kommunen untersucht wurden. Dabei ist zu beobachten, dass die Entwicklung aus dem Vorjahr mit teils dramatischen Preisanstiegen sich so nicht fortgesetzt hat. Jedoch sind weiterhin Nachholeffekte einer langen Phase ohne jegliche Steigerung feststellbar. Das Phänomen der Landflucht und die ungebrochene Tendenz zu mehr Singlewohnungen sind spürbar und lassen die Bevölkerung in den größeren Zentren anwachsen. Allerdings kam es auch in den ländlichen Regionen nicht zu Preisnachlässen. Positive Entwicklungen auf den Immobilienmärkten können die Bildungs-, Verwaltungs- und Handelszentren Saarbrücken, Homburg und Saarlouis verzeichnen. Sie ziehen besonders Studenten und Gewerbetreibende an.

Burkhard Blandfort, der Vorsitzende des Immobilienverbands Deutschland, IVD West, folgert aus der aktuellen Marktentwicklung, dass in der fortdauernden Niedrigzinsphase die Investition in Wohneigentum lohnend und die Vermietung von Immobilien eine attraktive Renditelösung ist. „Für Menschen, die lukrative und sichere Vermögensanlagen suchen, gibt es eigentlich keine Alternative zum Immobilieninvestment. Eine Blase erkennen wir nicht.“ Vermietete Mehrfamilienhäuser mit sechs bis zwölf Wohnungen beziehungsweise vermietete Eigentumswohnungen sind momentan die Immobilien mit der höchsten Nachfrage bei dieser Gruppe. Familien mit mittleren und gehobenen Einkommen zieht es ebenfalls zum Immobilienkauf. Hier steht die Eigennutzung der Immobilie stärker im Vordergrund als die Bindung von Kapital in Betonwerte. Doch  die hohe Grunderwerbsteuer trifft vor allem junge Familien, die diese Zwangsabgabe kaum schultern können. Es bleibt abzuwarten, ob die neue alte Landesregierung hier dem Beispiel NRW folgt und Anpassungen vornimmt.

Marktentwicklung im Detail

Im Segment der einfach ausgestatteten Einfamilienhäuser kam es besonders in St. Wendel zu einem deutlichen Preissprung (+ 17%). In Wadern, Saarlouis und Ottweiler stiegen die Preise hier um 6 bis 8 Prozent. Bei den gut ausgestatteten Eigenheimen ist ebenfalls Bewegung im Markt: Steigerungsspitzenreiter sind hier wiederum St. Wendel und Homburg (jeweils  + 8 %). Hochklassige Immobilien stiegen landesweit um durchschnittlich 4 Prozent im Preis – am deutlichsten in Völklingen (+ 7 %). Die Entwicklung in Neunkirchen tendiert unterdurchschnittlich (+ 2 %). Über alle Lagen und Qualitätsstufen stiegen die Preise für Einfamilienhäuser im Landesschnitt um 4,2 Prozent. Problematisch ist weiterhin die Vermarktung von übergroßen Häusern auf dem Land.
Für ein gut ausgestattetes, gebrauchtes Eigenheim muss man in Saarbrücken derzeit 420.000 Euro einrechnen, in Heusweiler 190.000, in Dillingen 200.000 und in Saarlouis 370.000 Euro.

Die Preise für Eigentumswohnungen sind in den vergangenen zwölf Monaten landesweit im Durchschnitt um sieben Prozent gestiegen. Die größten Anstiege waren in der Landeshauptstadt (14 %), Saarlouis (18 %) und in Sulzbach (11 %) zu beobachten. Die geringsten Preissteigerungen hatten Neunkirchen und Völklingen mit jeweils etwas mehr als 3 Prozent zu verzeichnen.
Saarbrückens bessere Lagen, wie am Rotenbühl, Triller oder Staden, weisen einen Quadratmeterpreis von etwa 2.850 Euro beim Kauf auf und sind damit im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent teurer geworden. In Saarlouis sind vergleichbar ausgestattete Wohnungen nur unwesentlich günstiger (2.700,-) bei einer Steigerung von 20 Prozent zum Vorjahr.

Bei den Kaltmieten für Wohnungen ist in den letzten zwölf Monaten eine landesweite Steigerung von durchschnittlich 7 Prozent zu beobachten (Vorjahr: + 10 %). In Homburg und in Wadern sind noch deutlichere Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich feststellbar. In der  Landeshauptstadt fiel der Mietanstieg mit einem durchschnittlichen Plus von 4,5 Prozent geringer als in den Vorjahren aus. Es gibt jedoch durchaus preisliche Ausreißer in den Toplagen. Mietpreissenkungen hingegen waren nirgendwo festzustellen.

Mit 11,- Euro pro Quadratmeter Wohnfläche müssen die Saarländer in der Landeshauptstadt für gut gelegene Wohnungen rechnen. Bei 8,- Euro liegen die Mieten in vergleichbaren Lagen in Homburg, bei 7,- bzw. 7,50,- Euro in Dudweiler und St. Ingbert. In Saarlouis‘ guten Lagen bleibt die Kaltmiete mit 9,- Euro stabil (Vorjahr: + 6 %). Am günstigsten lassen sich Wohnungen in Wadern anmieten: Hier liegt die Netto-Kaltmiete in einfachen Lagen nur bei knapp 4,- Euro pro Quadratmeter.

Gewerbeimmobilienmarkt

Nach einer langen Phase der Stagnation erholten sich die Büromieten in den letzten drei Jahren leicht. Nur in Merzig und Saarlouis waren teils deutliche Preiserhöhungen zu beobachten. In Dillingen hingegen gaben die Preise nach. Die teuersten Büros finden sich nach wie vor in Saarbrücken mit Quadratmeterpreisen von bis zu 11,- Euro, doch auch in Saarlouis ist teilweise die 9-Euro-Marke schon überschritten.

Bei den Mieten für Ladenlokale scheint der Negativtrend vorerst gestoppt. Nach den Rückgängen im Vorjahr stiegen sie im Landesdurchschnitt um ca. drei Prozent. Flächendeckende Preisabschläge waren alleine in Saarbrücken (- 6 %) zu beobachten. Preisanstiege von bis 20 Prozent hatten hingegen St. Ingbert und St. Wendel zu vermelden. Mit einem Quadratmeterpreis von 32 Euro auf der Französischen Straße hat Saarlouis die zweitteuerste Lage im Saarland. Nur auf Saarbrückens Bahnhofsstraße liegen die Ladenmieten mehr als doppelt so hoch: mit 80 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche sind sie allerdings in den letzten zwölf Monaten leicht gesunken.

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